Praktika

Ein Erfahrungsbericht von Lenka Stejfova

Wer würde da schon Nein sagen - wenn einem die Möglichkeit eröffnet wird, unter der Glaskuppel im Deutschen Bundestag zu sitzen, statt von oben das Plenum als Touristenattraktion zu bestaunen?

Besonders als Studentin der Politikwissenschaft und Volkswirtschaft interessiert es mich natürlich ungemein, hinter die Kulissen der großen Politik in Berlin schauen zu dürfen.

Und so ein Praktikum besteht zum Glück wirklich nicht aus Kopieren und Kaffee kochen. Der Arbeitstag beginnt für studentische Verhältnisse zwar relativ früh, ist aber sehr abwechslungsreich. Vor allem der deutliche Unterschied zwischen der Arbeit in Sitzungswochen und Wahlkreiswochen hat mich überrascht: In Sitzungswochen konzentrieren sich die Parlamentarier auf ihre jeweiligen Arbeitsgruppen, Ausschüsse und das Plenum in Berlin. In letzteren dagegen haben sie eine Reihe von Terminen in ihrem Wahlkreis oder als Mitglieder des Europa-Ausschusses wie unser Wahlkreisabgeordneter Gunther Krichbaum MdB zum Beispiel auch in Brüssel. Dorthin konnte ich ihn allerdings leider nicht begleiten.

Es wird jedenfalls nie langweilig. Der Arbeitsalltag eines Abgeordneten ist mit seinen zwölf bis 14 Stunden zwar sehr interessant, aber auch ganz schön anstrengend. Und das konnte ich am eigenen Leib erfahren. Gar nicht so einfach, wie sich das unsereins manchmal vorstellt.

Wer immerzu Kritik an der Politik übt, sollte ruhig mal versuchen, den vollen Wochenkalender eines Parlamentariers über 4 Jahre hinweg zu bewältigen; Tag für Tag und oftmals auch am Wochenende. Der Rekord für Plenardebatten zu Bonner Zeiten liegt zum Beispiel bei halb vier Uhr morgens. Vielleicht würde manch einer dann anders über die "Herren Anzugträger" in Berlin denken?

Für mich jedenfalls gab es den einen oder anderen Aha-Effekt. Die Realität ist durchaus verschieden von dem, was in unseren Politik-Lehrbüchern steht oder wie es auf Phoenix den Anschein macht.

Sehr aufschlussreich waren für mich unter anderem einige Vier- Augen- Gespräche mit Verbänden, Experten und Diplomaten, bei denen ich dabei sein durfte. Eine Herausforderung stellte auch so mancher Bürgerbrief oder Recherche- Auftrag dar: Ich sage nur Bundes- Immissionsschutzgesetz und dergleichen. Für mich anfänglich unbekanntes Juristendeutsch. Die Themenfelder waren sehr spannend und reichten von europäischen Angelegenheiten bis hin zur Feinstaubproblematik. Dabei ließen die ersten Anrufe in Ministerien meinen Puls um ehrlich zu sein doch ein kleines bisschen höher schlagen. Aber das gehört schließlich dazu?

Insgesamt konnte ich in den drei Wochen nicht nur einen guten Einblick in Themen und institutionelle Abläufe der Bundes- und Europapolitik gewinnen, sondern auch in konkrete Anliegen des Wahlkreises Pforzheim/Enzkreis.

Zu den Highlights zählten natürlich meine Begegnungen mit der großen politischen Prominenz wie beispielsweise unserer Bundeskanzlerin. Aber auch die Teilnahme an diplomatischen Empfängen, Parlamentarischen Abendveranstaltungen sowie Besuche der Internationalen Grünen Woche und verschiedener Fernsehsendungen wurden mir ermöglicht.

Kein Schlangestehen vor WDR "Hart aber fair", SWR "Quergefragt" oder der Präsentation des Musicals Ludwig in der Landesvertretung Bayern beim Bund. Stattdessen überall offene Türen und äußerst galante und zuvorkommende Begrüßungsworte.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für alles. Die Erfahrung, so nah den Arbeitsalltag eines Politikers kennen zu lernen und hinter die Fassade zu schauen, ist faszinierend und manchmal auch entzaubernd zugleich.

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