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Daimler-Sicherheitschefin Sabine Wiedemann referiert über Wirtschafts- und Industriespionage beim Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes Enzkreis/Pforzheim
Wirtschaft und Sicherheit waren die zentralen Themen beim diesjährigen Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes Enzkreis/Pforzheim und der MIT Enzkreis/Pforzheim. Unter den rund 350 Gästen, die Gunther Krichbaum als Kreisvorsitzender im mittleren Saal des CCP begrüßen durfte, waren neben seinen Abgeordnetenkollegen aus Bund und Land, Dr. Marianne Engeser, Viktoria Schmid, Dr. Hans-Ulrich Rülke und Prof. Schweickert, zahlreiche Bürgermeister und Ortsvorsteher aus Pforzheim und dem Enzkreis, Stadt- und Gemeinderäte, Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.
Ein besonders herzlicher Gruß galt dem Leiter der Pforzheimer Polizeidirektion Burkhardt Metzger, „den wir hoffentlich noch lange in dieser Funktion bei unseren Veranstaltung begrüßen können“, so Krichbaum in Anspielung auf die anstehende Neustrukturierung der Polizeidirektionen in Baden-Württemberg.
In seinen einleitenden Worten sprach der Bundestagsabgeordnete von einem „stürmischen Jahr 2011“, durch das Deutschland aber besser als viele andere Länder gekommen sei. Im Hinblick auf die Entwicklungen in der europäischen Schuldenkrise zeigte der Vorsitzende des Europaausschusses Verständnis für das verbreitete Unbehagen in der Bevölkerung über die dadurch für Deutschland entstehenden Kosten, gab jedoch gleichzeitig zu bedenken, dass auch Deutschland in der Vergangenheit sehr von der europäischen Solidarität profitiert habe und nannte die „Londoner Schuldenkonferenz“ als herausragendes Beispiel dafür. „Deutschland ist derzeit die Wachstumslokomotive in Europa“, erklärte Krichbaum. Die deutsche Wirtschaft habe dank ihrer Innovationsfreude und Forschungstätigkeit einen großen Wettbewerbsvorteil, auf den viele Länder neidvoll blickten. Dabei schreckten auch manche von diesen nicht vor Wirtschafts- und Industriespionage zurück. Selbst mittelständische Unternehmer aus der Region hätten damit schon leidvolle Erfahrungen machen müssen. Das Thema spiele in jedem Fall eine immer größere Rolle in Deutschland.
Dies konnte die Hauptrednerin der Veranstaltung, Sabine Wiedemann nur bestätigen. Die „Leiterin Konzernsicherheit“ bei der Daimler AG wies darauf hin, dass durch staatlich gelenkte Wirtschaftsspionage und private Industriespionage deutschen Unternehmen ein wirtschaftlicher Schaden von geschätzten 20 bis 50 Mrd. Euro pro Jahr entstünde. „Wirtschaftsspionage und ungewollter Know-How-Abfluss in Unternehmen sind eine reale Bedrohung, die aber noch immer unterschätzt wird“, so Wiedemann.
In einer zunehmend vernetzten und digitalen Welt sei der Schutz von geistigem Eigentum immer wichtiger, aber auch schwieriger. Mussten Spione früher noch mühevoll Akten und Information kopieren oder fotografieren, so könne heute ein einziger Mitarbeiter mit dem entsprechenden Zugang, das gesamte Wissen eines Unternehmens innerhalb weniger Minuten auf einen USB-Stick kopieren und weitergeben. Ein wirksamer Schutz gegen solche Informationsverluste sei mit hohem Aufwand verbunden, er müsse ganzheitlich ansetzen, denn Unternehmenssicherheit lasse sich nicht nur auf den IT-Bereich reduzieren. Zwar seien Angriffe aus dem Cyberspace an der Tagesordnung, doch die meisten Informationen würden immer noch von Menschen weitergegeben. „Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter über das Thema informieren und dafür sensibilisieren. Eine einheitliche Unternehmenskultur und klare ethische Richtlinien bieten weiteren Schutz“, so Wiedemann. Die Wirtschaft stehe vor einer großen Herausforderung. „Es wird in Zukunft keine Geheimnisse im Cyberspace geben!“, sagte die Referentin. Man müsse sensible Daten noch besser schützen als bisher und dabei gleichzeitig größtmögliche Transparenz nach außen hin bieten.
Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung MIT, Dr. Jochen Birkle dankte Sabine Wiedemann für ihren Vortrag und verwies in seinem Schlusswort auf die Wichtigkeit des Innovationsvorsprungs der deutschen Wirtschaft. Ein rohstoffarmes Land wie Deutschland müsse seine wichtigste Ressource „Wissen“ unbedingt schützen. Beim anschließenden Empfang im Foyer bot sich die Gelegenheit zum lockeren Gedankenaustausch.

